18. Februar 2008

Was die letzten Wochen so los war...

Hallo Welt!
Nun, seit zwei Tagen sind wir wohl wieder in Las Choapas gelandet, der kleinen unbedarften Stadt im Südosten von Veracruz... Hier laufen ne Menge Rainbow-Menschen rum zwischen faszinierten, verstörten oder besoffenen Mexicanern die einem "Amigo, Amigo" und unverständlich besoffene Worte ins Ohr nuscheln und einem die Hand schütteln wollen... Manchmal lustig, manchmal nur Nervig.
Hier schlägt irgendwie die Santa Diharrea um sich und ne Menge der Rainbows scheinen irgendeine seltsame Magen-Darm Infektion zu haben und langsam steigen alle auf Antibiotika um... Vielleicht wirkt's ja. Mich hat's noch ganz gut erwischt, aber vor allem die etwas kleineren, schwächeren unter uns sind langsam echt gebeutelt oder am Ende. Die Stimmung ist aber recht gut hier, würd ich mal sagen...
Achja, die letzten drei Wochen bin ich auf dem Rainbow gewesen, da oben in "El Desengaño", wo der schöne Rio Nanchital mit dem Poso Azul zusammenfliesst.
War schön da, obwohl irgendwie nicht so das krasse Familienfeeling zusammengekommen ist. Viel zu viele Menschen die sich nicht zugehört haben, weil sich sich entweder zu sehr zugekifft haben oder... Naja vielleicht doch nur zugekifft, oder nach einem schönen, der häufigen Regengüsse einen seltsamen Pilz vom Kuhfladen gepflückt haben.
Wer weiss, jedenfalls gab's wenig Leute, die viel gemacht haben, viele Leute die krank waren und ne Menge Leute die Suchtkrank waren... Oder so ähnlich... Ansonsten waren wir alle wohlauf und schön zerstochen und zerzeckt...
Julie und ich haben uns auch gut abgewechselt mit flachliegen .
Aber nun zu den schönen Seiten der Geschichte...
Am Dienstag vor drei Wochen ging es dann also los, rauf auf die Ladefläche vom Pick-Up und rein in die unwegsamen Erdpisten vom Hinterland in Veracruz. Brücken, Rinder, Rinder, Menschen, denen man zuwinkt, Brücke, Schlagloch... Sowieso immer nur Schlagloch... Drei Stunden später dann die Ankunft im Dunkeln. Trampelpfad... Achja da war ja noch der Typ in Las Choapas der gesagt hat man solle sich vor dem Schlamm in Acht nehmen! Welcher schlamm? Das doofe Weichei! Hier ist doch gar nichts! Nix von Schlamm... Zumindest nix wirklich schlimmes!
Denkste! Ein falscher schritt in der Niederung eines Baches und noch einer! Zack, zack, beider Füsse im Treibschlamm versunken... Zum Glück gehen sie wieder raus... Aber ohne Schuhe!
Also gut, keine Zeit,den Rucksack und die Monstergitarrentasche abzulegen, Hände in die Pampe und gebuddelt... Puh, juhuu! Zwei 3-Kilo Schlammklumpen gefunden und als meine Schuhe identifiziert!
Und das im Dunkeln...
Also gut, erstmal auf Socken weiter, dann doch wieder in Schlammschuhen, immer dabei in einer Damenhandtasche ein Karnickel "Bonita Cornejita", das unser Texanischer Rainbowbruder sich irgendwo in Oaxaca zugelegt hat.
Endlich sind wir wohl doch noch - und das vorm Abendessen - Welcome Home, angekommen, schlammig und fertig!
Erste nacht im Häuschen verbracht, mitbekommen wie ein total unterzuckerter Diabetiker heftige krämpfe bekommen hat, sich am nächsten Morgen aber nur um seine verlorene Pfeife gekümmert hat, die ihm angeblich während des Krampfes einer aus der Tasche geklaut haben soll. Jene wurde dann am Fluss gefunden, wo er selber sie verloren hatte...
Weiter, will mich nicht im Detail verlieren...
Die Tage waren meistens echt richtig warm, manchmal verregnet und die Wege waren mal mehr und mal weniger Matschig, aber meistens eher, vor allem bei Nacht, ein recht glibberiges Vergnügen. Der Fluss half, den Matsch wieder abzuwaschen, glücklicherweise machte er eine Schleife um das gesamte Gelände und mit Lust und Laune konnte man eine kleine Wildwasserschwimmtour machen. Sehr schön.
Alle erzählten von der Flut, die zwei Wochen vor uns gekommen ist, und wir dachten uns, zum Glück waren wir nicht da.
Es gab leckeres Quellwasser und super Essen, manchmal zu viele Bohnen.
Hin und wieder höheres Wasser, nach dem Regen und Pizza, Lasagne und selbstgemachte Schokolade, Schokososse und Schokoenergiebällchen.
Eines Morgens wurden wir von einem Erdbeben wachmassiert, was für ein Erlebnis in der Natur! Ohne bröckelnden Putz und ohne Panik in den Häusern... Alles still, nur die Erde bewegt sich halt...
Von Rainbow und L...

Eines schönen Mittags allerdings fing dann doch der Regen an, der bis zum nächsten Morgen dauern sollte... Zum glück war unsere Plane dicht und wir konnten gemütlich darunter Platz nehmen und bei kerzenschein ausharren, manche Zelte sind allerdings nicht so verschont geblieben, und so sind viele Leute auch für diese Nacht obdachlos geworden... Meinen Rucksack hatte ich gottseidank schon einen Tag vorher entschimmelt, so konnte der auch trocken unterm Dach bleiben...
Morgens hörte dann der Regen auf und ich schaute mich um, auf dem Gelände, was so passiert ist, der Fluss ist nämlich Plötzlich in den Djungel unterhalb unter unserer Behausung gekommen... Gute 10 Meter näher als sonst!

Also mal los zum Rohan's Tempel, der etwas unterhalb des Plateau-Niveaus, aber immer noch gute 4 Meter über dem normalen Wasserspiegel an der äussersten Biegung des Flusses ist, an der Stelle wo gegenüber Felswände dem Fluss den Weg versperren und der blaue, kleinere Djungelfluss den braunen Rio Nanchital sich treffen.
Und siehe da, der Zugang war bereits überschwemmt und man musste den Hintereingang benutzen um hineinzukommen. (fotos kommen noch) Das wasser war schon bis zu 50cm an die schöne Terasse von Rohan's Domizil herangekommen, dieser und viele andere sassen derweil singend und Chai trinkend ums Feuer und freuten sich über die überraschten Gesichter, die sich wunderten, dass 4 Meter Hochwasser und eine drohende Überflutung hier keinen aus der Ruhe bringt!
Im Laufe des Morgens kam dann tatsächlich das Wasser noch bis zu einer Hand breit an den Fussboden von Rohans Platz heran und so konnte man den Tag über wunderschön Flusswasser schöpfen, ohne aufzustehen und Teller waschen...
Danach gab's dann wieder Sonne und das Wasser verabschiedete sich wieder! Alles gut und wunderbar wundervoll.
Die Rückfahrt ging dann mit einem Boot vonstatten und nach einer überquerung einer kaputten Brücke, die dann gerade wieder fertiggestellt wurde sind wir endlich, erschöpft aber glücklich, wieder in der Stadt angekommen!

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